
Der Bodenwert beschreibt den Wert eines Grundstücks in seinem unbebauten Zustand. Steht auf einem Grundstück bereits ein Gebäude, wird für die Bewertung gedanklich unterstellt, dass es sich um eine freie Fläche handelt. In diesem Fall spricht man vom sogenannten „reinen Bodenwert".
Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei verwandten Begriffen, die häufig verwechselt werden:
Bodenrichtwert: Ein amtlich festgelegter Durchschnittswert in Euro pro Quadratmeter für eine bestimmte Lage oder Zone. Er wird in Deutschland alle zwei Jahre vom zuständigen Gutachterausschuss ermittelt und veröffentlicht.
Bodenwert: Ob ein Grundstück als Rohbauland, Bauerwartungsland oder baureifes Land eingestuft wird, beeinflusst den Richtwert erheblich.
Die Grundformel lautet: Bodenwert = Bodenrichtwert (€/m²) × Grundstücksfläche (m²)
Da der Bodenrichtwert lediglich einen Durchschnittswert für eine Zone darstellt, nehmen qualifizierte Gutachter individuelle Anpassungen vor. Wertsteigernde Faktoren können beispielsweise eine gute Erschließung, eine vorteilhafte Grundstücksform oder eine hochwertige Infrastrukturanbindung sein. Wertmindernde Einflüsse hingegen umfassen Altlasten im Boden, eine ungünstige Topographie, Lärmbelastung oder eingeschränkte Bebauungsmöglichkeiten laut Bebauungsplan.
In der Immobilienbewertung findet der Bodenwert in allen drei anerkannten Bewertungsverfahren Anwendung: Im Sachwertverfahren wird er zum Gebäudesachwert addiert. Im Ertragswertverfahren dient er als Ausgangsgröße zur Ermittlung des Liegenschaftszinses. Und im Vergleichswertverfahren fließen vergleichbare Transaktionen ähnlicher Grundstücke in die Berechnung ein.
München gehört zu den Immobilienmärkten mit den höchsten Bodenwerten in ganz Deutschland. Die Bodenrichtwerte variieren je nach Stadtlage erheblich: In durchschnittlichen Wohnlagen liegen sie bei rund 1.800 €/m², in guten Lagen bei etwa 2.600 €/m², während Bestlagen wie Bogenhausen, Nymphenburg oder die Maxvorstadt Werte von bis zu 8.000 €/m² erreichen können.
Für den Münchner Immobilienmarkt, der durch ein dauerhaft knappes Angebot an Bauland, eine hohe Bevölkerungsdichte und eine ausgeprägte Nachfrage geprägt ist, bedeutet dies: Der Bodenwert eines Grundstücks kann den Gesamtwert einer Immobilie maßgeblich bestimmen – und gelegentlich sogar überwiegen, etwa wenn ein älteres Gebäude mit Sanierungsbedarf auf einem Grundstück in Bestlage steht.
Zusätzlich beeinflussen stadtspezifische Faktoren wie geplante U-Bahn-Erweiterungen, Erhaltungssatzungen in einzelnen Stadtteilen oder die jeweilige Geschossflächenzahl (GFZ) den erzielbaren Bodenwert eines konkreten Grundstücks in München erheblich. Eine pauschale Einschätzung ist daher nur als erste Orientierung zu verstehen – für eine rechtssichere und marktgerechte Bewertung ist die Einschätzung durch einen zertifizierten Immobiliengutachter unerlässlich.
Wenn Sie eine professionelle Immobilienbewertung benötigen oder weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns für eine erste kostenfreie Beratung.
ÜBER DEN AUTOR

Timo Stephan
Timo Stephan ist Experte für den Bereich Immobilienbewertung im Sachverständigenwesen. Durch seine praxisnahen, auch für Laien verständlichen Artikel, hilft er Immobilienbesitzern dabei, sich richtig zu informieren und kluge Entscheidungen zu treffen. In diesem Blog erfahren Sie mehr über seine Expertise.
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